Greenkeeping

Vom Rasenmäher zum Rasenmanager

Die mähen doch nur den Rasen! – So lautet eine immer noch weit verbreitete Ansicht über Greenkeeper. „Wenn das wirklich so wäre, dann hätten Golfanlagen ein echtes Problem“, meint Karl-Josef Neuhausen, Head-Greenkeeper im Golfpark Rittergut Birkhof im Gespräch mit seinem Greenkeeper Florian Wagener.

Die Greenkeeper im Golfpark – ein kleines Portrait

Karl-Josef Neuhausen, Head-Greenkeeper im Golfpark Rittergut Birkhof ist 57 Jahre. Er war zunächst über 30 Jahre Gärtner in einer Baumschule. 2011 folgte der Wechsel zum Greenkeeper, 2014 wurde er Head-Greenkeeper. Sein Mitarbeiter Florian Wagener ist 33 Jahre und ein Quereinsteiger: Er war vorher Einzelhandelskaufmann, bis er 2013 seinen Bürojob mit der Arbeit auf dem Grün tauschte. 2015 wurde er „Qualifizierter Platzarbeiter“, und inzwischen erfüllt er auf dem Golfpark Rittergut Birkhof die Aufgaben eines Greenkeepers.

„Das Greenkeeper-Team auf dem Golfpark Rittergut Birkhof ist 13 Mann stark“, betont Karl-Josef Neuhausen. Damit hat sich die Teamstärke im Verlauf der letzten beiden Jahre fast verdoppelt. Schon allein daran ist zu merken, dass die professionelle Platzpflege des Golfparks inzwischen einen hohen Stellenwert erhalten hat.

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Ein Mann für alle Fälle – Was ein Greenkeeper können muss

Die Anforderungen an das Fachwissen im Rasen- und Baumbereich sind hoch. „Es gibt 10 Grasarten, die man kennen muss“, erläutert Karl-Josef Neuhausen. „Durch spezielle Ernährung kann man manche Grasarten zurückhalten oder reduzieren.“ Man muss sich aber nicht nur in der Bodenkunde auskennen, sondern auch in der Chemie – und in der Maschinentechnik. Schließlich gilt es, den ganzen Maschinenpark in Stand zu halten. Und wenn man kein Kfz-Mechatroniker ist? „Man lernt aus Erfahrung,“ erklärt Florian Wagener. Apropos Maschinenpark: „Wir sind schon ziemlich gut ausgestattet“, was den Maschinenpark angeht, freut sich Karl-Josef Neuhausen. Hier wurde zuletzt noch einmal gut investiert.

Da kommt einiges zusammen: Einmal Nigeria im Jahr

Aufs Jahr hochgerechnet sind das 29 Millionen Quadratmeter Grünfläche. Das ist ein Gebiet so groß wie Nigeria. Dabei werden 1.600 Löcher im Jahr gewechselt.

Eine besondere Herausforderung ist die konsequente Berücksichtigung des Naturschutzes und der behördlichen Auflagen. Karl-Josef Neuhausen erläutert: „Der Golfpark wird von den Behörden als öffentliches Grün eingestuft, daher gibt es strenge Auflagen für den Pflanzenschutz.“ Im Übrigen liegen die in einem Landschaftsschutzgebiet – und in einem Wasserschutzgebiet.

Wie wird man eigentlich (Head-)Greenkeeper?

Greenkeeper wird man, indem man den Fortbildungslehrgang zum „Greenkeeper/in – Fachagrarwirt/in Golfplatzpflege“ absolviert. „Die Prüfung am Ende kann man mit dem Meisterabschluss im Handwerk vergleichen“, mein Karl-Josef Neuhausen.

„Greenkeeper ist heute ein halber Manager“, erklärt Head-Greenkeeper Karl-Josef Neuhausen. „Ein Greenkeeping-Team besteht meist aus mehreren Mitarbeitern mit unterschiedlichen Qualifikationen. Der Head-Greenkeeper übernimmt als Leiter des Teams unter anderem die Aufgaben der Mitarbeiterplanung und -führung. „Als Head-Greenkeeper stehe ich in engem Austausch mit der Geschäftsführung und dem Clubmanagement“, erläutert Neuhausen. Er ist auch für die Jahresplanung zuständig. Mäh- und Pflegepläne müssen für ein ganzes Jahr geplant, da durch verschiedene Maßnahmen Einschränkungen des normalen Spielbetriebs eintreten können.

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Greenkeeper haben Anerkennung und Respekt verdient

Da stellt sich natürlich die Frage, inwieweit diese Arbeit im Golfpark die gebührende Anerkennung erhält. Inzwischen ist es darum insgesamt gut bestellt. Nun kann man aber auch das Gute noch verbessern. Auf die Frage, wie der Golfer den Greenkeeper in seiner Arbeit unterstützen kann, gibt Neuhausen eine klare Antwort: „mit freundlichem Miteinander auf Augenhöhe“. Denn alles befindet sich „auf dem gleichen Level: die Natur- und Platzpflege einerseits und das Golfspiel andererseits.“ Dabei ist klar: „Der Greenkeeper ist ein Dienstleister“, weiß Neuhausen. Er ist stets bemüht, eine gesunde Balance zu finden zwischen den Anforderungen der Platzpflege und den Ansprüchen der Golfer. „Man kann aber nicht jedem den Platz so einrichten, wie gerade sein Handycap ist.“

„Golf & Natur“ in Silber – auch ein Erfolg der Greenkeeper

Apropos Anerkennung. Im Gegensatz zu früher werden im Golfpark nun die „Leitlinien für integrierten Pflanzenschutz“ des DGV eingehalten. Sie stellen eine freiwillige Verpflichtung zum sorgfältigen und umweltschonenden Arbeiten dar. „Wir sind stolz darauf, dass wir wenig Chemie einsetzen“, betont Karl-Josef Neuhausen. „Golfanlagen werben gerne mit dem Sport in gesunder Natur. Aber tatsächlich wird da sehr viel Chemie eingesetzt.“ Das ist nicht nur ökologisch bedenklich. Auch der Golfer wird in Mitleidenschaft gezogen, oft ohne es zu wissen: „Beim Spielen gelangt die Chemie erst auf den Golfball und dann auf die Hand des Golfers,“ erläutert Neuhausen.

Kein Wunder, dass der Golfpark die Auszeichnung „Golf & Natur“ in Silber sein Eigen nennen kann. Das Konzept umfasst eine ganze Reihe von Faktoren, die den Betrieb des Golfparks bestimmen. Eine große Rolle spielen zum Beispiel auch Sicherheitsfragen bei Einsatz und Wartung unserer Maschinen und Geräte. Ebenso wichtig ist der bewusste Umgang mit Wasser, Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. „Letztlich geht es um Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit“, fasst Neuhausen zusammen.

Bei allen Modernisierungsarbeiten hat man aber in einer Hinsicht ein altes Konzept wieder aufleben lassen: den Plan des renommierten Architekten Kurt Rossknecht für die Anlagen: „Jetzt ist der Platz so, wie ihn der Architekt ursprünglich gedacht hat.“ Und jetzt können die Greenkeeper auch so arbeiten, wie es die hohen Anforderungen verlangen, möchte man ergänzen.